Donnerstag , 3 Dezember 2020


Systeme mit Momentum.

Bewerten mit System: Warum es wichtig ist, nicht vorschnell zu urteilen

– Teil 1: Beobachtung –

“Denken ist schwer, darum urteilen die meisten”, hat schon C. G. Jung, Begründer der analytischen Psychologie, festgestellt. Ein Urteil ist schnell gefällt, man weiß doch Bescheid. Die Rechthaber- und Bescheid-Wisser-Sprache hat sich tief in unsere Kultur eingegraben, so Professor Rolf Arnold (Provisions-Link), der an einer nachhaltigen Transformation von kognitiv-emotionalen Kompetenzen durch Methoden einer Systemischen Erwachsenenbildung forscht. Jeder bringt seine Glaubenssätze, Ansichten und seine vorgefertigten Urteile, sprich Vor-Urteile mit ins Gespräch. Doch leider werden sie oft weder der Situation noch einer passenden Lösung gerecht.

Beobachtung Eule
Bild von JL G auf Pixabay

Die professionelle Systemische Beratung bietet eine Methode an, um zur situationsgerechten Bewertung von Problemen und damit auch zu besseren Entscheidungen zu kommen. Der klassische Prozess unterscheidet die Phasen Beobachtung, Interpretation und Bewertung und sollte genau in dieser Reihenfolge durchgeführt werden. Wie in der Einleitung angedeutet, neigen wir dazu, von der ersten Beobachtung sofort in die Bewertung bzw. Beurteilung zu springen. Für den Führungsalltag sind noch die Phasen Entscheidung und Handlung ergänzt.

Beobachtung eines Phänomens oder Symptoms

Es ist gar nicht so einfach, nur eine Beobachtung zu beschreiben, ohne sie sofort auch parallel zu bewerten. Beispiel: Stellen sie sich vor, sie sind Softwarehersteller. Ihr schärfster Konkurrent überrascht sie mit einer Pressemitteilung, seine Software verfügt jetzt über Künstliche Intelligenz (KI). Was denken sie? Je nach Meinung zum Thema KI werden sie die Pressemeldung vielleicht als gefährlich oder irrelevant für ihr Unternehmen einstufen. Meinungen entstehen vor dem Hintergrund der “inneren Landkarten”, die sie bereits zum Thema angelegt haben. Nur, Meinungen sind keine Fakten. Ob es wirklich gefährlich wird, wissen sie nicht, doch sie haben ihr Urteil schon gefällt.

Dass die Meldung überhaupt ihr Interesse geweckt hat, ist ein erster Indikator für einen gewissen Informationswert. Denn, besondere Aufmerksamkeit entsteht immer dann, wenn es eine Abweichung zu einer Erwartung gibt (bzw. eine Erwartung enttäuscht wird, wie generell bei Problemen und Konflikten). Im Beispiel hätten sie vielleicht nicht erwartet, dass ihr Wettbewerber schon so weit ist, KI in der Software verfügbar zu haben.

Sie sehen schon, viele Gedanken. Doch schauen wir etwas genauer hin. Was können wir eigentlich wirklich “beobachten”. Genau genommen sehen wir nur eine Pressemitteilung, mehr nicht. Alles andere ist unsere subjektive Interpretation. Es ist zum Beispiel überhaupt nicht sicher, ob die KI-Software wirklich einsatzbereit ist.

Demnächst mehr im 2. Teil zur Phase: Interpretation.

Momentum: Oft können wir wenig beobachten. Ein in die Aufmerksamkeit gelangtes Phänomen oder Symptom liefert wenig Informationen, was tatsächlich der Fall ist. Lassen sie sich nicht zu vorschnellen Interpretationen hinreißen.

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