Dienstag , 26 Mai 2020


Systeme mit Momentum.

Führung: Erfahrung alleine ist noch keine Kompetenz!

Nur weil jemand etwas 20 Jahre macht, heißt das noch lange nicht, dass er es richtig macht. Dieser Gedanke kommt mir immer wieder mal in den Sinn. Der Ursprung dieser Erkenntnis ist der Innenausbau meiner Wohnung. Keiner der damals beauftragten Handwerker hat hundertprozentige Arbeit abgeliefert – wirklich keiner. Und ich dachte mir: Wie kann das sein, die machen das doch schon seit 20 Jahren?

Seit dem bin ich vorsichtig, wenn mir jemand sagt: “Ja, da habe ich jahrelange Erfahrung”. Das Ergebnis ist oft das selbe wie bei den Handwerkern: nicht das, was man sich vorgestellt hat. Wobei, wenn wir nun den Bogen zu Management und Führung spannen, erschwerend hinzu kommt: Was hat man sich eigentlich vorgestellt? Was war das Ziel? Welches Problem wollte man lösen? Worauf ich hinaus will: Um ein Problem zu lösen, muss man es erst einmal in der Tiefe verstanden haben.

Erfahrung ist noch keine Kompetenz
Bild von kalhh auf Pixabay

Ich kann als Führungskraft zum Beispiel viel Erfahrung in Gesprächen mit Mitarbeitern haben. Das heißt aber noch lange nicht, dass dabei etwas Zielführendes herauskommt. Wobei hier schon das nächste Problem auftritt: Viele Führungskräfte machen sich vor dem Gespräch gar keine Gedanken, was das Ziel des Gesprächs konkret sein soll. Sie plaudern einfach mal drauf los und schauen wo sie landen. Wundern sich dann aber, dass sie in der Sache irgendwie nicht weiterkommen. Wieder eine Erfahrung gemacht, aber keinerlei Erkenntnis gewonnen.

Erkenntnis braucht Reflexion auf bereits vorhandenes Wissen

Gerne wird dann schnell Google befragt, wie man den so ein Mitarbeitergespräch am besten führt. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die Qualität der Suchergebnisse direkt proportional zum Wissen des Suchenden ist. Kurz gesagt: Google macht nicht Schlau. Google spiegelt dir erst mal nur das wieder, was du an Begriffen zum Thema schon kennst. Zudem sind die ersten Treffer nicht tiefgründige Abhandlungen oder gar wissenschaftlich gefestigte Erkenntnisse, sondern meist leicht verdauliche, gut lesbar und damit zwangsweise nur an der Oberfläche bleibende Informationshappen.

Wie kann ich den nun mein Gespräch reflektieren, um es das nächste Mal besser zu machen? Ich benötige Wissen und Erkenntnisse mit denen ich mein Vorgehen abgleichen kann. Es macht also Sinn, sich den aktuellen Stand der Erkenntnisse anzuschauen. Was haben “Profis” in den letzten dreißig Jahren zu diesem Thema herausgefunden? Am Beispiel der Gesprächsführung:

  • Was sind Kriterien für ein gutes Gespräch?
  • Was sind Voraussetzungen für ein Gelingen?
  • Wie kann ich sinnvollerweise den Ablauf gestalten?
  • Welche meiner eigenen Glaubenssätze und Persönlichkeitsmerkmale erschweren mir eine förderliche Atmosphäre?
  • Mit welchem Setting habe ich schon vor dem Gespräch verloren?
  • Was sind Do’s und Dont’s usw?

Kompetenz ist Wissen plus Können

Kompetenz wird definiert als “die Fähigkeit neuartige Probleme selbständig und eigenverantwortlich lösen zu können”. Dazu braucht es Wissen (das kann man lernen) und Können (das muss man lange üben). Und ein Schuss Talent kann auch nicht schaden. Jede ernstzunehmende Profession hat ihre Methoden, Werkzeuge und Theorien. So auch professionelle Führung. Hier kommt einiges zusammen.

Psychologie und Neurobiologie (Provisions-Link), um die eigenen Wahrnehmungen und Beobachtungen zu reflektieren. Wissen über Kommunikation. Führung hat genau genommen nur Kommunikation als Mittel zur Verfügung. Organisationswissen (Provisions-Link), um die Eigendynamik von Strukturen und Prozessen zu verstehen. Und systemisches Denken, als modernes Verständnis zur Steuerung komplexer Systeme. Es hilft nichts, mit den Themen muss man sich tiefergehend auseinandersetzen. Man braucht zu jedem Fachgebiet nicht die ganze Bandbreite wissen, das nicht. Doch jene Elemente, die für Führung wichtig sind. Denn: Theorie ohne Praxis ist zwar leer, aber Praxis ohne Theorie ist blind.

Fazit: Professionelle Führung braucht Wissen und Können auf den Gebieten Psychologie, Neurobiologie, Kommunikation, Organisationsentwicklung und Systemik, um Problem in der Tiefe überhaupt erst zu verstehen und entsprechend passende Lösungen zu finden.

Check Also

Beobachtung Eule

Bewerten mit System: Warum es wichtig ist, nicht vorschnell zu urteilen

– Teil 1: Beobachtung – “Denken ist schwer, darum urteilen die meisten”, hat schon C. …